Pferdewissen und Pferdehaltung von A-Z

Noch besitzt dieses urzeitliche Pferdchen die Größe eines Fuchses, hat einen rundlich gewölbten Rücken und vermutlich auch ein gesprenkeltes Fell. Es hat also noch rein gar nichts mit dem heute bekannten und geliebten Pferd zu tun, zumal es an den Vorderbeinen noch vier und an den Hinterbeinen noch drei Zehen anstelle eines Hufes hat. Nach unendlich langer Zeit betrat vor rund 10 Millionen Jahren dann der erste echte Einhufer die vorzeitliche Szene und war in Sachen Gebiss und Extremitäten einem Pferd schon recht ähnlich. Noch viele Versuche schickte die Natur ins Rennen, bis sich aus den beiden uns bekannten Wildpferdeformen Tarpan und Mongolisches Wildpferd alle uns bekannten Formen von Hauspferden entwickeln konnten. Hier spielte dann nach Meinung der Wissenschaft wohl der menschliche Zuchteinfluss die entscheidende Rolle. Nicht alle Wissenschaftler teilen diese Theorie, andere wieder gehen von anderen Entwicklungsmöglichkeiten aus. Wie dem auch sei – nimmt man an, dass es bereits vor dem Einfluss des Menschen deutlich unterscheidbare Typen von Pferden gab, geht man dabei von vier Urtypen aus, die in zwei Pony- und zwei Pferdetypen eingeteilt werden: Das Nordpony, ein mittelgroßes und kräftiges Tier mit einem Stockmaß von 120 cm – seine Verbreitung erstreckte sich über ganz Nordeuropa und Teile Ostasiens bis es auf seinen weiten Wanderungen bis Nordspanien, Irland und Kleinasien gelangte – das Tundrenpony – mit einem Stockmaß von 140 bis 170 cm, optimal angepasst an sehr kaltes Klima –, das Ramskopfpferd – zwischen 140 und 160 cm groß und von Asien bis Südeuropa und Nordafrika verbreitet – und das Steppenpferd – ein kleineres Südpferd mit einem Stockmaß von rund 120 cm und einem Verbreitungsgebiet von Südasien über den Orient bis hin nach Ägypten. Hieraus sind dann alle bekannten Pferderassen durch planmäßige Zucht hervorgegangen.




Die Domestikation des Pferdes wird in der Literatur ausgiebig diskutiert, ohne dass man jedoch bis jetzt zu einem Ergebnis gekommen wäre. Prähistorische Funde deuten auf einen Beginn um 20.000 bis 30.000 vor Christus hin, andere Lehrmeinungen vertreten den Standpunkt, dass Pferde wohl dem Rentier gefolgt seien und die erste Haustierwerdung um 5.000 vor Christus erfolgte, wobei die Pferde das erste Mal auch wohl als Reitpferde genutzt worden sein sollen. Wie auch immer die Entwicklung gewesen sein mag – das Haustier Pferd war als wirtschaftlicher und militärischer Faktor über Jahrtausende hinweg von eminenter Bedeutung. Es ließ ganze Gruppen von Völkern groß und mächtig werden, denn die Schlagkraft der Armeen, die wirtschaftliche Entwicklung der Menschen und das gesamte Transportwesen auf dem Lande war im Wesentlichen mit der Geschwindigkeit des Pferdes verwoben. Die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Motorisierung von Militär und Zivilwesen ließen das Pferd dann aber als Nutztier in den Hintergrund treten. Heute stellt es zwar in einigen Ländern und Gebieten noch immer einen gewissen Faktor im Transportwesen dar, dient aber inzwischen vornehmlich den Menschen als Sportpartner. Die moderne Pferdezucht hat sich auf Pferde spezialisiert, die sich durch vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Breiten- und im Spitzensport als wirtschaftlich erweisen.




Das Pferd erhält heute ganz genau wie vor Tausenden von Jahren seine Daseinsberechtigung als Partner im Dienste des Menschen. Dabei haben sich die Menschen eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten ausgedacht und der Sportpartner Pferd wird heute für viele Disziplinen des Reitsports gezielt selektiert und eingesetzt: So finden sich die klassischen Dressurpferde, Springpferde, Rennpferde, aber auch eine große Zahl Freizeitpferde. Der klassische Einstieg für Pferdefreunde ist sicherlich meist die Bitte eines kleinen Mädchens: „Darf ich mal zum Ponyreiten?“ Ganz klar, da macht sich ein neues Talent auf den Weg, lebenslang mit dem „Virus Pferd“ infiziert zu sein und die unausweichliche Konsequenz ist dann entweder ein Urlaub auf dem Reiterhof mit den Eltern oder Reiterferien in einer Kindergruppe ganz ohne Eltern. Die zahlenmäßig stärkste Gruppe unter den pferdeinfizierten Kindern sind wohl die Mädchen. Sie entwickeln eine schier grenzenlose Liebe zu diesen Vierbeinern und bald finden sich unzählige Pferdebilder, Pferdefotos und Pferdebücher in den Kinderzimmern. Am Reitunterricht kommt man nicht vorbei, will man seinem Kind einen zielgerichteten und sorgfältigen Einstieg ermöglichen. Schnell wird sich bei den stolzen Eltern die Frage stellen: Wollen wir nicht ein Pony kaufen? Der Pferdemarkt bietet eine schier unerschöpfliche Anzahl von Möglichkeiten. Mag für ganz kleine Kinder ein Shetty oder gar ein Minishetty noch passend sein, stellt sich bei älteren Kindern eine ganz andere Frage: Soll es nicht lieber doch ein klassisches Reitpony sein, mit dem vielleicht auch schon erste Turniererfolge zu erzielen sind? Ein Pony in der passenden Größe muss gutartig sein und für das Kind leicht zu handhaben, sonst ist der Spaß schnell vorbei. Möglicherweise genügt aber auch zunächst eine Reitbeteiligung, auf der auch erste Reitstunden absolviert werden können. All dies gilt es zu Beginn der reiterlichen Karriere des eigenen Kindes zu bedenken.




Manch einer aber entdeckt auch erst als Erwachsener seine Liebe zum Pferd, denn man kann in jedem Alter Reiten lernen. So trifft der Spaziergänger in waldreichen Gegenden oft auf Gruppen, die dem Wanderreiten frönen. Wem Reithalle und Reitplatz auf Dauer zu eng werden, der wird gerne seine Freizeit mit Gleichgesinnten in der Natur verbringen und wortwörtlich dem nächsten Sonnenuntergang entgegenreiten. Gemütliche Reitpartner, die ihren Dienst auch zuverlässig vor der Kutsche verrichten und daher nicht nur zum Freizeitreiten, sondern auch zum Fahren gern gewählt werden, sind hierbei – um nur ein Beispiel zu nennen – die Friesenpferde. Die stolzen, schwarzen Karossiere sehen unter dem Sattel und im Gespann einfach herrlich aus mit ihren wehenden Mähnen und dem schönen Langhaar. Und mal ganz ehrlich: Wer hat sich in seiner Kindheit nicht gerne die Filme um Winnetou und Old Shatterhand oder die Pferdefilme um Fury angesehen und immer davon geträumt, in einem Westernsattel lässig durch die Prärie zu streifen?




Kein Problem: Hierzulande finden sich viele erstklassige und seriöse Züchter, die die zuverlässigen und nervenstarken Quarter Horses züchten und zum Verkauf anbieten. Die Turniere rund ums Westernreiten finden einen immer größeren Zuspruch. Und was die Möglichkeiten des Freizeitreitens betrifft, geht es noch weiter: Viele Traber, die für die Rennbahn nicht geeignet sind oder ihren Dienst dort beendet haben, finden ihren Weg in die Freizeitreiterszene und sind meist sehr beliebte und zuverlässige Freizeitpartner. Die Auswahl ist riesengroß und ein Pferd zu finden eigentlich nicht schwer, denn es gibt auch Pferdeanzeiger, in denen man vom Fohlen über Springpferde, Zuchtpferde und gebrauchte Sättel bis zur Pferdeversicherung jeglicher Art fündig wird. Auch wenn eine Reitbeteiligung gesucht wird, wäre hier der passende Ort, die Suche zu beginnen. Selbst so etwas exotisches wie ein Voltigieranzug beispielsweise ist hier zu finden und mit Online-Portalen wie „ehorses“ hat das Internet in der Reitsportszene Einzug gehalten. Überhaupt hat der Markt rund um Pferd und Reiter eine Menge zu bieten. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Hier kann man nicht nur Pferde kaufen, auch Pferdezubehör und Pferdeanhänger gibt es in großer Zahl. Das erste, was man seinem vierbeinigen Sportkameraden sicherlich – und das nicht nur einmal – kauft, wird ein schönes Halfter sein, danach folgen natürlich Trense und das eigene Outfit in Form von Reitstiefeln, Reithosen und beim Reiter mit Turnierambitionen die elegante Turnierbekleidung mit Frack und Plastron. Wer schon selbst einmal ein Reitturnier besucht hat, dem wird die elegante Ausstattung der Dressurreiter aufgefallen sein: Ein schicker Dressursattel mit passender Satteldecke sieht dabei schon sehr nobel aus. Aber selbst eine Pferdedecke passend zur Reitbekleidung des Reiters ist mittlerweile schon fast eine Selbstverständlichkeit.




Inzwischen ändert sich auch das Bewusstsein der Menschen für die Haltung der Pferde. Es wird nicht mehr nur ein besonderes Augenmerk auf gesundes Pferdefutter und diverse Zusatzstoffe gelegt, immer mehr Reiter möchten ihre Tiere, wenn sie denn in den Pferdeboxen einer klassischen Pferdepension untergebracht sind, lieber in die Freiheit einer Offenstallhaltung entlassen mit viel Licht, Luft und Bewegung fürs Pferd. Und neben den klassischen Geschlechtern Stute und Wallach ist auch schon einmal ein Hengst in der Obhut der Freizeitreiter zu finden. Was beim Springreiten und auch bei den Dressurreitern längst praktiziert wird, nämlich der Deckhengst-Einsatz im Sport, ist bei vernünftiger Haltung auch dem ambitionierten Freizeitreiter durchaus möglich. Hier hat im Laufe der Jahre ein Umdenken Einzug gehalten. Findet man hier die passenden Beistellpferde, kann so ein Hengst durchaus ein ausgeglichener und zuverlässiger Sportkamerad sein, der sehr häufig bei den Westernreitern und den Reitern von Gangpferden zu finden ist. Die früher so oft praktizierte Einzelhaltung und das Wegsperren machen aus dem freundlichsten Hengst früher oder später dann doch ein unzufriedenes Pferd, das seinem Unmut deutlich Luft machen wird. Und schlimmstenfalls ist das bei Pferden jeglichen Geschlechts der Fall, denn ein Pferd ist nicht ohne Grund unwillig und es ist schon gar nicht von Geburt an bösartig.




Oft erschallt dann der Ruf nach einem der vielen „Pferdeflüsterer“, die in den letzten Jahren sehr in Mode gekommen sind. Auf Messen wie der Equitana oder der Hansepferd sind sie in großer Zahl zu finden und auch Publikationen und Fernsehsendungen mit ihnen gibt es zuhauf. Der Zulauf der Fangemeinde ist riesig und der Glauben der Reiter an sie oft unerschütterlich. Es scheint so zu sein, dass die Menschen sich manchmal nicht mehr die Mühe machen, auf die Zeichen ihrer Pferde zu achten, auf den eigenen Pferdeverstand pfeifen und sich lieber auf Dritte verlassen, die dann meist werbewirksam zur Rettung schreiten müssen. Natürlich ist es klug, sich nicht allein auf das eigene Urteil zu verlassen und sich fachlichen Rat zu suchen. Das kann aber schon ein sehr erfahrener Pferdezüchter oder auch ein altgedienter Reitlehrer sein, der einem sehr schnell klar machen wird: „Reiten lernt man nur durch Reiten“, denn gerade Züchter haben nicht nur Pferde zu verkaufen und Reitlehrer wie Oberlehrer in der Mitte der Reithalle zu stehen, sondern auch viel praktisches über Jahre erworbenes, wertvolles Wissen weiterzugeben. Überhaupt sollte man sich auf der Suche nach einem Pferd die Verkaufspferde niemals alleine anschauen, denn oft macht Liebe eben blind und schon mancher hat sich in ein Pferd verliebt, das gar nicht zu ihm passte. Dann muss man sich wohl oder übel Gedanken um einen Pferdeverkauf machen, damit weder der Reiter noch das Pferd auf Dauer unglücklich werden, wenn die Probleme so groß sind, dass sie sich eben nicht – und schon gar nicht durch Flüstern – lösen lassen. Wunder kann hier niemand vollbringen, selbst wenn es in der Werbung oder auch in den Büchern lautstark propagiert wurde.




Ist dann alles glatt gelaufen und die perfekte Symbiose zwischen Pferd und Reiter geschaffen, darf man trotzdem eines ganz gewiss niemals vergessen: Die Pferdehaftpflicht. Denn laut Gesetz ist es nun einmal so, dass im Falle der Pferdehaltung die sogenannte Gefährdungshaftung greift, nachdem der Pferdehalter allein durch das Halten des Tiere eine Gefährdung schafft. Auch bei Hunden ist das so und so wäre man mehr als schlecht beraten, würde man auf diese Versicherung verzichten, denn der Haltern haftet immer, selbst wenn ihn kein Verschulden trifft. Jeder Reitverein wird bei Turnierteilnahme auf eine solche Versicherung bestehen und auch ein Pferdehof, auf dem das Pferd eine Weile untergebracht wird, wird einen Nachweis hierüber verlangen. Ob man dann gleich eine Krankenversicherung für Pferde abschließt, bleibt dem Besitzer aber selbst überlassen und lohnt sich sicherlich nur bei wertvollen Tieren, die zum Beispiel an Pferderennen teilnehmen oder für Springpferde im großen Sport. Außerdem lässt es sich nicht leugnen, dass im Sport zum Beispiel Arthrose Pferd und Reiter treffen kann.



Ganz gleich, in welche Richtung das Interesse des Pferdefreundes geht: Wir wollen hier in allen Bereichen wertvolle Hilfestellung leisten. Bis zu welcher Größe ist ein Pferd noch ein Pony? Wo finde ich die besten Reiterferien für Kinder? Wo kann ich bei Pferdespielen wie zum Beispiel dem Ringreiten mitmachen? Welche Pferderasse und welcher Reitstil ist eigentlich der passende für mich? Und woher, um Himmels Willen, bekomme ich den passenden Pferdenamen für meinen vierbeinigen Liebling? Auf alle diese Fragen finden sich bei uns oder auch im Austausch mit der Community garantiert die richtigen Antworten. Und nicht zuletzt findet man bei uns rund ums Thema Pferde Videos und tolle Sprüche Pferde und ihre Reiter betreffend. Wir wünschen viel Freude beim Stöbern und Lesen!